Tübingen Tübinger Rathaus nach der Renovierung Leipziger Illustrirte Zeitung 1877 Gottlob Theuerkauf nach Paul Sinner (Photo credit: Wikipedia)
Elektrischer Stuhl
Der Elektrische Stuhl ist der Versuch einer
technikgläubigen Zeit, Hinrichtungsmethoden zu ‘modernisieren’ und zu ‘humanisieren’ – sofern dies überhaupt möglich ist.
Erstmalig wurde der elektrische Stuhl im August 1890 im Staat New York eingesetzt.
Der Verurteilte muß sich zur Vollstreckung auf einen hölzernen Stuhl setzen, auf dem er mit acht Lederriemen festgeschnallt wird. Dann werden ihm die Augen verklebt, damit ihm diese nicht aus den Höhlen treten. Auf das entblößte Bein wird eine Elektrode in Form einer Kupferplatte angebracht. Die zweite Elektrode wird dem Delinquenten in Form eines Kupferhelmes aufgesetzt. Beide Elektroden sind mit einem Stromgeber verbunden. Nach einem Zeichen des Gefängnisdirektors legt der Henker den Schalthebel um und ein Stromstoß von 2000 Volt jagt durch den Körper des Todeskandidaten.
Nach 50 Sekunden wird die Spannung auf fünfhundert Volt zurückgenommen um anschließend wieder zweimal auf 2000 Volt erhöht zu werden. Die ganze Prozedur dauert etwa drei Minuten. Anschließend wird das Opfer zur Autopsie in einen Nebenraum gebracht.
Von einer humanen Hinrichtungsmethode kann hier sicherlich nicht die Rede sein. Oftmals dauert der Todeskampf mehrere Minuten. Bei einigen Hingerichteten trat der Tod erst im zweiten oder dritten Anlauf ein.
William Vandiver beispielsweise wurde im Oktober 1985 ganze 17 Minuten lang hingerichtet, erst nach 17 Minuten und fünf Stromstößen a 2000 Volt trat der Tod ein.
Der Gerichtsmediziner Ingo Wirth schildert den Hergang einer Exekution:
‘Wenn der Verurteilte unter Strom steht, zerfließen seine Augäpfel in denn Höhlen oder quellen heraus. Die Herzkammern flimmern, manchmal bleibt das Herz auch sofort stehen. Die Atemmmuskulatur wird gelähmt. Im Gehirn kommt es zu Blutungen, es weicht stellenweise auf. Aus dem Körper steigt Rauch und schlagen Funken, manchmal lodern auch kleine Flammen, die die Haare in Brand setzen. Der Verurteilte kann Exkremente, Sperma und Speichel verlieren. Vereinzelt findet sich bei der Leichenöffnung Speisereste in der Luftröhre, weil erbrochener Speisebrei eingeatmet wurde. Die inneren Organe werden so heiß, dass sich der Gerichtsmediziner an ihnen die Finger verbrennen würde, wenn er die Leiche direkt nach der Hinrichtung öffnet.
Die ‘Illustrirte Zeitung’ berichtete nach der ersten Hinrichtung am 6. August 1890:
‘Der Schilderung von Augenzeugen zufolge bot die Hinrichtung selbst ein wahrhaft gräßliches Schauspiel dar. Nach dem ersten elektrischen Schlage versteifte sich der Körper, und die anwesenden Ärzte erklärten, daß der Tod eingetreten sei, … als sich Lebenszeichen bemerkbar machten. Der elektrische Strom wurde daher von neuem geschlossen … Erst nach der dritten, vier Minuten langen Anwendung des Stromes erfolgte der Tod … In der amerikanischen Presse haben diese Ergebnisse der neuen elektrischen Hinrichtungsmethode einen solchen Sturm der Entrüstung hervorgerufen, daß die Wiederabschaffung derselben wohl außer Zweifel steht.’
Hier irrte die ‘Illustrirte Zeitung’.
