Dramatischer Appell Srebrenica-Opfer geißelt Massenmord in Aleppo


Dramatischer Appell
Srebrenica-Opfer geißelt Massenmord in Aleppo

Avdic Nedzad heute. Er konnte dem Morden in Syrien nicht länger tatenlos zusehenFoto: avaaz

” data-zoom-src=”http://bilder.bild.de/fotos/avdic-nedzad-heute-er-konnte-dem-morden-in-syrien-nicht-laenger-tatenlos-zusehen-200208213-49239772/Bild/2.bild.jpg” />

 

 

Er hat die ethnischen Säuberungen in Srebrenica überlebt – als einer von zweien!
Jetzt erhebt Nedžad Avdić seine Stimme, um die „Massaker von Zivilisten in Aleppo und in ganz Syrien“ anzuprangern und die Welt eindringlich an ihr „Nie wieder!“-Versprechen zu erinnern.

Avdic Nedzad, Überlebender des Srebrenica-Massakers, kritisiert den Syrien-Krieg und die Tatenlosigkeit der Weltgemeinschaft
Foto: avaaz
Nedžad Avdić, der sich als 17-Jähriger angeschossen zwischen den Leichen in Srebrenica versteckt hat, richtet seinen Aufruf an die gesamte Menschheit. BILD hat sich daher entschlossen, diesen Aufruf in ganzer Länge und ohne Änderungen zu veröffentlichen.
„Nie wieder!“ – Wirklich?
Auch Interessant

KOSTENLOS BUSSGELD LOS
Verkehrsanwälte prüfen Ihr Bußgeldverfahren
Geblitzt.de ist der einfache und kostenlose Weg Ihr Bußgeldverfahren zu prüfen.

FLUGVERSPÄTUNG?
Hier bekommen Sie eine Entschädigung!
Unsere kostenlose Prüfung sagt Ihnen sofort, ob Sie einen Anspruch auf Entschädigung haben.

Ich war ein Teenager, als ich die dunkelste Seite der Menschheit zu sehen bekam. Ich erinnere mich, wie unser Haus niederbrannte und meine Familie aus Srebrenica floh — wir hofften trotz aller Hoffnungslosigkeit auf eine Überlebenschance. Ich erinnere mich an die Folter und den Geruch von Blut. Ich wusste es noch nicht, aber ich erlebte gerade den schlimmsten Massenmord in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Und danach, so erinnere ich mich, folgten die Versprechen: „Nie wieder!”
Diese Versprechen werden gebrochen, Stunde um Stunde, Tag für Tag, während der Horror in Ost-Aleppo immer schlimmer wird. Seit Beginn des Krieges 2011 sind mehr als 500.000 Menschen ums Leben gekommen. Stellen Sie sich das vor. Jahre voller Streubomben, Raketen und Giftgas, die vom Himmel regnen. Eine Beerdigung nach der anderen, ein Tod folgt dem nächsten – und derweil schaut die Welt zu, wie dein Land und deine Mitmenschen vernichtet werden.
Wenn wir dachten, schlimmer wird es nicht, kam es noch schlimmer. Und jetzt, wieder einmal, erreicht das Grauen neue Dimensionen: Familien gehen die Nahrung, das Wasser und die Medikamente aus. Es gibt keine betriebsfähigen Krankenhäuser und keinen einzigen Krankenwagen mehr, um die stetig steigende Zahl der Verwundeten und Kranken zu versorgen. In dieser Stadt des Todes sterben sogar die Clowns. Der Mann, der versuchte, das Grauen für einen Moment zu vertreiben und die Kinder abzulenken, wurde umgebracht. Starb mit ihm auch die letzte Hoffnung?

Ich hoffe nicht, denn auch ich war einst an diesem Punkt und habe dem Tod ins Auge geblickt, mutterseelenallein. In einer Nacht Mitte Juli 1995 brachten uns serbische Soldaten auf das Feld, wo wir erschossen werden sollten. Sie zogen uns nackt aus und fesselten unsere Hände hinter dem Rücken. Wir mussten uns in Fünferreihen aufstellen. Ich sah tote Körper vor meinen Augen, Reihe für Reihe – Schüsse hatten ihnen in Sekunden das Leben geraubt. Die Kugeln trafen mich im Bauch, im rechten Arm und im linken Fuß; ich verspürte einen unglaublichen Schmerz, hörte um mich herum die letzten, keuchenden Atemzüge der Sterbenden. Als die Metzger verschwanden, verstand ich, dass ich nicht gestorben war, und schaffte es, mit einem anderen Mann zu fliehen. Tagelang rannten wir, versteckten uns in den Wäldern und auf Friedhöfen, bis wir irgendwann auf bosnischem Gebiet Sicherheit fanden. Ich fragte mich, wie die Welt so etwas geschehen lassen konnte.
2005 veröffentlichte das Europäische Parlament eine Stellungnahme, die den Genozid von Srebrenica verurteilte, und versprach, so etwas solle „nie wieder passieren”. Das gab mir Hoffnung, dass unser Schicksal nicht umsonst war und wir aus den Schrecken der Vergangenheit gelernt hatten. In der Zukunft würde die internationale Gemeinschaft Zivilisten in Krisenzeiten schützen, so hoffte ich. Jetzt fühlt es sich so an, als sei das sehr lange her.
Ich habe Vertrauen in die Menschheit. In die Menschen auf der ganzen Welt. Ich weiß, dass die meisten von ihnen den Menschen in Aleppo helfen würden, wenn sie könnten. Aber sie können es nicht alleine tun. Nur unsere Staats- und Regierungschefs können die Massaker von Zivilisten in Aleppo und in ganz Syrien beenden. Sie müssen dafür sorgen, dass die Menschen in Not Hilfsleistungen erhalten, die falls nötig auch über belagerten Gebieten aus der Luft abgeworfen werden. Das ist das Allermindeste. Dass sie hier versagen, ist nicht nur ein Verrat an den Menschen in Aleppo und Syrien, sondern auch an den Opfern und Überlebenden all der Massenmorde, aus denen wir angeblich gelernt haben.
Stattdessen ist die schlimmste Seite der Menschheit das neue Normal. Wenn wir die Augen davor verschließen, setzen wir ein gefährliches Beispiel und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sich mein Schicksal wiederholt. Ich habe in den Lauf eines Gewehrs geblickt und weiß, dass die Menschheit sich das nicht erlauben kann. Lassen Sie es sich von einem Genozid-Überlebenden sagen: Es geht um mehr als Aleppo.

Avdic Nedzad heute. Er konnte dem Morden in Syrien nicht länger tatenlos zusehen
Foto: avaaz

http://www.bild.de/politik/ausland/aleppo/aleppo-srebrenice-49239548.bild.html

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s